Aiuda, Chiquita und Kauz
Das Explorer Belt Projekt von Aiuda, Chiquita und Kauz.
Chiquita
vegi
mathi-gymmi
fantasybücher
weisheitszähne
tourisferien
kontakt
fotos
Corinne Corradi
Adliswil, ZH
20 Jahre jung
Kauz
honigbrot
kontakt
fotos
events
happyness
mückenattacken
physiotherapeut
Maurizio Trippolini
Samedan (Engadin), Zürich
25 Jahre jung
Aiuda
fotos
monsun
kontakt
hirnzellen
pfadifeeling
bio-studentin
schlafmättchen
Nicole Bachmann
Luzern(Heimat), Zürich(Studieren)
21 Jahre jung
Drei fragen an drei Spaziergänger:
1. Was mache ich sonst noch, neben der Pfadi?
Chiquita: Im Mathi-Gymi verbringe ich das letzte mühsehlige Jahr bevor ich in die Freiheit entlassen werde um die Welt zu entdecken. Die spärliche Zeit neben der Pfadistufenleiterin, verbringe mit Fantasybücher, CD’s-Einkaufen, Mountainbiken und Reisen.
Kauz: Bin als Physiotherapeut (nicht Psycho... !) im Spital Zimmerberg in Horgen tätig. Im Winter arbeite ich für eine Snowoardschule. Dort organisiere ich Events und leite die Ausbildung der Instruktoren. Auf dem Bike bin ich im Sommer anzutreffen und nätürlich auf den zahlreichen Grillparties hier im Züri-Land.
Aiuda: Als Biostudentin (Uni Züri) seziere ich Blümchen, büffle Physik und mischle chemische Substanzen zusammen. Bin als Tierpark-Rangerin im Tierpark Goldau tätig, ab und zu im Kondi (Training für rauchende Studis-Hirnzellen) oder auf einer Reise (dies tue ich fürs Leben gerne) anzutreffen... Zudem bin ich in Luzern häufig im Kino oder Theater anzutreffen und mit Freunden unterwegs.
2. Warum verbringe ich die zwei Wochen nicht in Rimini am Strand ?
Chiquita: 0815 Tourisferien haben mich noch nie interesssiert. Den Sonnenbrand kann ich mir auch in der Slovakei holen! Was gibt es schöneres als in der osteuropäischen, unberührten Wildnis umherzuirren, mit einem Engadiner und einer Luzernerin, auf der Suche nach dem ultimativen Pfadiabendteuer...?! Ebä!!
Kauz: Je unbekannter das zu bereisende Land, desto grösser der Entdeckungsreiz. Zwei wochen Outdoor, mit neuen Freunden, ein riesiger Rucksack auf dem Buckel: what else do we need for happyness!
Aiuda: Neugier, Neugier und nochmals Neugier. Lust auf Abenteuer, Hiken, Natur Pur und neue Leute kennenlernen: original Pfadifeeling!
3. Wie sieht mein Alptraum- Explorer Belt aus (worst case)?
Chiquita: Als typischer Vegi habe ich höllischen Ekel vor Fleischkonsum (zB slovakische Bärenwürste etc.) Absoluter Alptraum: fünfache Doppelbilder am linken kleinen Zehen. Plötzliches auftauchen von vier Weisheitszähnen während wir bei 40° durch die Tatra spazieren.
Kauz: 2 Wochen Durchfall. Ein Bär frisst mir mein Honigbrot weg. Blasen an den Füssen. Mücken-Attacken.
Aiuda: Das uns der böse Bär den Honig klaut, die Wölfe in mein Therm-a-Rest(-Schlafmättchen) beissen und der Monsun über uns hereinbricht.
das projekt:
Themasuche oder die Slowakei als weisser Fleck auf der Weltkarte...
Die
Slowakei, ein eher unbekanntes Land in Osteuropa, ist das Ziel des
Explorerbelts 2001. Ok, zuerst muss man wohl den Unterschied zwischen
Slowenien und der Slowakei lernen. Dann will man mit der Infosuche
beginnen ? und überfordert damit definitiv den Travelbookshop in
Zürich. Aber erzählen wir doch die ganze Geschichte: Als sich unser
Team am 13. Mai das erste Mal sah, trafen sich 3 fremde Personen. Aber
eins war uns allen schon von Anfang an klar: Es musste viel Natur auf
unser Route sein!!!
Nachdem wir doch noch mehr Material übers
Internet erhalten hatten, begannen uns diese vielen, geheimnisvollen,
ruinenhaften Burgen, aber auch die renovierten, „neueren“ Schlösser im
Vahtal (deutsch: Waagtal) zu interessieren. Das wollen wir erforschen! Unser
Thema: Burgenspaziergang, weil wir schliesslich gemütlich ein paar
Burgen besichtigen und es bei den paar Kilometern pro Tag es ja sicher
ein Spaziergang wird (Projektwahl oder die unstillbare Neugierde und Vorfreude auf das unbekannte Land)
Unser
Thema sind die Burgen. Sie faszinieren uns, aber wir wollen keine
Geschichtsarbeit darüber schreiben. Diese Faszination möchten wir auch
vor Ort erleben, erforschen und beschreiben. Wir möchten ein bisschen in der Geschichte rumwühlen und das Alte vergleichen mit dem, was wir heute antreffen:
- Gibt es eventuell alte Geschichten und Sagen?
- Welche Bedeutung hatten sie im Bezug auf die nahe Grenze zur Tschechei?
- Wie werden die einzelnen Burgen heute genutzt?
- Was haben sie für eine Bedeutung für die Slowaken und Slowakinnen?
- Was ist das besondere an jeder einzelnen Burg?
- und wieso man sie unbedingt besuchen muss!
die route oder eine kleine reise
Setz Dich hin und kommt mit auf unsere imaginäre Reise:
Wir starten unseren Spaziergang in Skalica, einer kleinen Stadt in der Westslowakei, nahe der Grenze zur Tschechei. Der alte Stadtkern ist noch mit gotischen Mauern umgeben und es soll hier der beste slowakische Rotwein gekeltert werden. Doch uns zieht es in die Weissen Karpaten, auf slowakisch: Biele Karpaty. Wir spazieren los, denn schliesslich wollen wir herausfinden, was es alles in der wilden Natur zu entdecken gibt. Ein bisschen hoffen wir wahrscheinlich schon auf Wölfe und Bären ... wenigstens für die Geschichten, die wir einmal unseren Urenkeln erzählen werden. Vielleicht gibt es noch einen kleinen Umweg über Bosaca für unsere Sozialaktion aber psst: hier dürfen wir ja noch nicht alles verraten, das kommt später.
Nach etwa 65 Kilometer (Luftdistanz), also ca. 4 Tagen erobern wir die Burg in Trencin. An und in ihr gibt es römische, slawische, ungarische Spuren zu entdecken. Und die Geschichte des Liebesbrunnen will erforscht sein. Doch auch Trencin selbst ist spannend: Pfarr- und Piaristenkirche, Synagoge und Marktplatz wecken unsere Neugier. Nach dieser Anstrengung freuen wir uns auf die Zugfahrt Richtung Norden. Endlich mal nicht selber laufen!
Doch schon nach wenigen Kilometern in Ilava verlassen wir den Zug (wie sieht er wohl aus? Alt und holperig? Überfüllt und mit Hühnern in Drahtkäfigen? Oder neu und mit Minibar?). Wir erklimmen wieder die Weissen Karpaten und kommen ins Schwitzen. Aber es lohnt sich doppelt: auf der Burg Löwenstein (Hrad Vrsatec) und der 7 Kilometer entfernten Burg Lednitz (Lednicky hrad) geniessen wir eine wunderschöne Aussicht auf das Vahtal (nein, es hat kein Nebel und kein Baum steht im Weg ().
Nach einer Pause spazieren wir wieder ins Tal und überqueren den Fluss um zur gegenüberliegenden Bergkette zu gelangen, nahe der Mala Fatra, ins Gebiet Sulovske, Vrchy und Zilinska Kotl. Wir werden die von einem Slowaken empfohlene Route entlang des Bergkamms nehmen. Haben wir noch Energiereserven zum Anzapfen? Dann reicht es für einen Umweg über Cicmany, ein Dorf in der Rajetzer Bergen aus Holzhäusern mit Ornamentbemalungen ? typisch für die Gegend. Die Wanderung nimmt ziemlich Zeit in Anspruch, aber dafür ist die unberührte Natur nach dem Vahtal mit Autobahn und Zug umso schöner.
In Zilina (sprich: Schilina) erreichen wir unser Ziel und erobern unsere letzte Burg: Budatinsky zamok, wo Vah (Waag) und Kysuca zusammenfliessen. Sie hatte eine sehr wechselhafte Geschichte: vom Wachtturm über Renaissance-, Barock- und klassizistischen Palästen Armeekaserne und Wiederaufbau hat sie schon alles erlebt. Beim Bummeln durch Zilina treffen wir auf andere Explorerbeltteams. Bald sind wir alle versammelt, gespannt, was uns im Anschlussprogramm des Explorerbelts noch erwartet. Unser Favorit wäre wohl ein schönes, altes, slowakisches Bad ...
die aktion:
Sozialaktion oder die Spuren, die wir hinterlassen möchten
Zuerst hoffen wir auf neugierige Leute und viele neue Bekanntschaften (auch wenn sie nur auf primitiven Hand- und Fusszeichen basieren). Vielleicht ergibt sich ja mal was Tolles und Sinnvolles? Oder wir können doch noch in eine Schule, vielleicht in den Deutschunterricht? Zuerst gibt’s jetzt noch ein E-Mail nach Bratislava: Wir haben von Slowaken an der ETH Zürich erfahren, dass die Universität Bratislava früher in Bosaca (siehe Bemerkung in der Reiseroute) Lager organisiert hat, wo man den Bauern heuen hilft zur Erhaltung der dortigen Vegetation (so ähnlich wie Trockensteinmauern im Calancatal).
die auswertung:
...unseres kleinen Abenteuers:
Der Reiz, sich am diesjährigen Explorerbelt die Füsse platt zu treten, Körper und Geist wieder mal ein bisschen zu (über)strapazieren und während 11 Tagen wie ein echter Pfadi dreckig und allen Gefahren trotzend durch die wilden Wälder zu streunen; dieser unwiderstehliche Reiz lag wohl vor allem an dem zu entdeckenden Land selbst. Die Slowakei, ein bisher für uns alle unbekanntes, mysteriöses Fleckchen Erde, über welches wir während Monaten nur wildeste Vermutungen und zweifelhafte Vorstellungen anstelllen konnten, mangels Informatio-nen, die der übrigen Welt anscheinend verborgen bleiben sollten...
Erst recht also ein Grund, uns auf die Socken zu machen und das unbekannte Land in Mitten Europas zu entdecken. Alle waren wir grauenhaft neugierig, ob die auf unserer Karte bunt eingetragenen Wanderwege auch tatsächlich existieren, und ob wir uns auch nicht verschätzt haben. Wir hofften, eine intakte Natur, verlassene Burgruinen, und eine bisher von Touristen unerschlossene Landschaft vorzufinden - und wir wurden nicht entäuscht. Schon am ersten Tag erstreckten sich vor uns weite, sanfte Hügel, leuchtende Felder und Wiesen und angenehm stille, kühle Wälder.
Je länger wir wanderten und in die weissen Karpaten vorstiessen, desto hügliger und ursprünglicher fanden wir die fast menschenleere Landschaft vor. Während einer ganzen Woche begegneten wir kaum jemandem, ausgenommen einiger Wanderer und Pilzsammler, und den Menschen in den Dörfern, die wir auf unserem Weg kreuzten. Sie alle schauten uns erstaunt und mit einem unsichtbaren Kopfschütteln an, anhand der schweren Last, die wir auf dem Rücken trugen, und unserem Vorhaben. Verständigen konnten wir uns nur sehr dürftig, doch die Menschen waren überaus freundlich und stets gerne dazu bereit, uns Trinkwasser zu spenden oder sogar auch einmal einzuladen, um uns dann diverse Köstlichkeiten und alkoholische Spezialitäten vor die Nase zu setzen, immer und immer wieder, bis wir schliesslich alles restlos vertilgt hatten. Lecker!
Als Dank hinterliessen wir da und dort eine
Tafel Schokolade, oder aber einen unvergesslichen Eindruck an drei
merkwürdige Schweizer, die mit rotweissen Halstüchern und schweren
Rucksäcken das Land durchwanderten.
Das Leben in und ums Zelt herum
war ganz angenehm, das Essen dank sorgfältiger Planung reichlich
vorhanden, und der Benzinkocher von Aiuda ein wahrer Segen.
Da das
Wetter überaus ideal war, erholten wir uns am Abend jeweils draussen
vor dem Zelt, lagen faul in der warmen Abendsonne herum und gaben uns,
je nach dem nachdenklich oder aber vor sich hinplaudernd den
Tätigkeiten des Lesens, Tagebuchschreibens, Kochens, Essens und
Zähneputzens hin.
Hinzuzufügen ist, dass wir uns immer die besten Plätze zum campieren ausgesucht hatten, und so eine wahrhaft herrliche Aussicht auf die sich vor uns ausbreitende Landschaft genossen. Einzige Plage waren die Mücken und Fliegenschwärme, die uns ständig um den Kopf schwirrten und sogar ab und zu in Zelt und Schlafsack vordrangen, um vom seltenen Schweizer Blut zu kosten. So wurde auch von den diversen Anti-Brumm-Fläschchen heftig Gebrauch gemacht, rot, violett und grün, alle Sorten wurden ausprobiert.... Hmmm, wie herrlich duftete das doch!
Sowohl das körperliche Wohlbefinden als auch die Stimmung untereinander war manchmal nicht gerade hervorragend. Mit der Zeit jedoch gewöhnten wir uns etwas aneinander, sowohl als auch die Strapatzen der Wanderung und an das nicht vorhanden sein unseres Weges auf der Karte oder umgekehrt. Die rotweissen Grenzsteine säumten oft unseren Weg und waren uns als willkommene Orientierungshilfe beinahe schon unbewusst ans Herz gewachsen... Die Rucksäcke wurden immer leichter, und die Vorfreude auf den Zwischenhalt in Trencin, eine gründliche Dusche und das folgende Nachprogramm immer grösser.
Auf dem zweiten Teil unserer Wanderung wurden wir mit einer phantastischen Landschaft sowie zwei Burgruinen belohnt. Erstaunt waren wir allerdings immer wieder, wie ungenau die Karten teilweise erstellt worden sind, oder aber wie man sich auf einer 50’000 Karte doch ab und zu mal verschätzen kann. Im Allgemeinen aber stellte sich heraus, dass wir unsere Tagesrouten sehr gut berechnet hatten, und diese deswegen auch problemlos einhalten konnten. Vielleicht haben wir uns ein bisschen unterschätzt, oder aber gab es unterwegs nicht so viel zu tun und zu sehen wie wir uns das vorgestellt haben. So erreichten wir Zilina 2 Tage zu früh, was nicht unbedingt schlecht war. Wie unterschiedlich auch jede persönliche Auswertung ausfallen mag, ein jeder hat sicher sowohl gute wie auch schlechte Erfahrungen gesammelt, und wir alle sind wohl oder übel um eine intensive Lebenserfahrung reicher. Und dies ist doch schon eigentlich Haupt-gedanke - und Ziel des Exporerbelt, oder ?!
Nun gibt es also einen weissen Flecken weniger auf unserer geistigen Landkarte, nicht nur in geographischer Hinsicht, natürlich... Die Lust, in Zukunft noch mehr solcher Orte zu entdecken, war in dem einen oder andern sicherlich geweckt worden. Noch grösser aber war nach einem solchen Erlebnis die Freude, dass eigene Land wieder einmal etwas bewusster zu erleben und zu geniessen. Ein Gefühl, das zumindest bei mir persönlich schon lange keine Reise mehr hervorzurufen vermochte.







