Gedanken und Einfälle zum Thema Gemeinschaft
aus der Broschüre "Gesetz und Versprechen"
Niemand von uns lebt allein auf einer einsamen Insel wie Robinson, bevor er Freitag fand. Wir leben immer in verschiedenen, wechselnden Gruppen und Gemeinschaften, kleineren und grösseren, selber gewählten und solchen, in die wir hineingeboren sind. In jeder Gemeinschaft Praktische Arbeit mit Gesetz und Versprechen 16 Gesetz und Versprechen nehmen wir einen Platz ein, aber nicht in jeder den gleichen.
Eine Gemeinschaft kann wie ein Orchester sein. Jeder Musikant spielt sein Instrument und seinen Part, hört dabei auf die anderen, spielt mit ihnen zusammen und trägt seinen Teil zu einem vollen, schönen Klang bei. Wenn die Probe oder das Konzert vorbei ist, geht jeder für sich, bis zum nächsten gemeinsamen Anlass.
Eine Gemeinschaft kann wie eine Seilschaft sein. Gemeinsam wird die Route festgelegt, unterwegs müssen sich alle unbedingt aufeinander verlassen können und auf jedes einzelne kommt es an. Das Marschtempo richtet sich nach dem Schwächsten.
Eine Gemeinschaft kann wie ein Körper sein. Jedes Organ hat eine bestimmte Aufgabe, die es wahrnimmt. Nicht alle Organe sind gleich, aber alle sind gleichwertig. Jedes ist wichtig und wird gebraucht. Fällt eines aus, dann liegt eine ernsthafte Störung vor.
Eine Gemeinschaft kann auch wie ein Schiff sein, das in eine Gefahrenzone geraten ist, oder wie ein Flugzeug, das vom Kurs abgekommen ist. In dieser Situation kann Dienst an der Gemeinschaft heissen, gerade nicht so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre, sondern zu warnen, Gefahren aufzuzeigen, Kursänderungen vorzuschlagen.
Andere verstehen, das ist gar nicht so leicht, denn andere sind oft wirklich sehr anders als ich/ wir. Es verlangt von uns viel Offenheit, Interesse und Nähe, um auf andere einzugehen und sie verstehen zu lernen. Dabei müssen wir uns auch dauernd vor zwei Gefahren hüten. Die eine ist, dass wir die andern möglichst schnell zu ändern versuchen, damit sie werden wie wir. Die andere ist, dass wir uns möglichst rasch den anderen anpassen, um Unterschiede zum Verschwinden zu bringen und eine Schein-Einheit herzustellen. Beides hat wenig mit echtem Verständnis, aber viel mit Unsicherheit und Angst zu tun.
Andere verstehen, das heisst Brücken bauen zwischen verschiedenen Ufern. Brücken, die Begegnungen ermöglichen, ohne dass dabei das andere Ufer unbedingt zum eigenen werden muss, der andere Standpunkt zum eigenen, die andere Situation zur eigenen. Brücken auch, die Verbindungen schaffen über die Gräben von Vorurteilen, Gleichgültigkeit, Scheinverständnis, Misstrauen oder Feindschaft hinweg.







