Methoden auf der Pfaditufe
Den Kindern und Jugendlichen der Pfaditufe wird eine ganzheitliche Entwicklung ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Methoden eingesetzt, die alle in Zusammenhang mit den fünf Beziehungen stehen.
Persönlicher Fortschritt
Die Methode Persönlicher Fortschritt unterstützt die Kinder und Jugendlichen, um in vielen verschiedenen Bereichen Wissen und Fähigkeiten zu sammeln. Der Persönliche Fortschritt bietet die Möglichkeit, seine Kräfte und Stärken zu messen und dafür eine Anerkennung zu bekommen. Der Fortschritt soll den ganzen Menschen betreffen und die Bereitschaft stärken, für sich selber, für andere und für die Um- und Mitwelt Verantwortung zu übernehmen.
Die verschiedenen Hilfsmittel zum Persönlichen Fortschritt sind in Etappen unterteilt. Leiter und Leiterinnen und Pfadi einigen sich dabei auf Ziele, auf die sie dann gemeinsam hinarbeiten, und überprüfen, ob alle Bedingungen erfüllt worden sind.
Abzeichen und Spezialitäten erhöhen in dieser Altersstufe den Anreiz, eine Herausforderung anzunehmen und machen das Erreichte für alle sichtbar.
Gesetz und Versprechen
Im Pfadigesetz werden Spielregeln für das Leben in der Pfadi formuliert. Als wichtige Grundlage der Pfadibewegung soll es Leitfaden für die Einzelne und den Einzelnen sowie für das Zusammenleben mit anderen sein. Baden Powell sagt dazu: «The boy is not governed by don’t, but led on by do.» («Das Pfadi wird nicht bestimmt durch TU’S NICHT, es wird geleitet von MACH’S.»).
Das Gesetz zeigt, wie vielfältig Pfadi ist, und es gibt einen Rahmen für die Beschäftigung mit einer grossen Bandbreite von Themen und Inhalten.
Pfadigesetz
Wir Pfadi wollen:
- Offen und ehrlich sein
- Andere verstehen und achten
- Unsere Hilfe anbieten
- Freude suchen und weitergeben
- Miteinander teilen
- Sorge tragen zur Natur und zu allem Leben
- Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen
- Uns entscheiden und Verantwortung tragen
Eintrittsversprechen
Ich will mich für meine Gruppe einsetzen und mein Bestes tun, nach dem Pfadigesetz zu leben. Ich bitte Gott (und/oder) euch alle, mir dabei zu helfen.
Das Eintrittsversprechen kann im ersten oder zweiten Jahr abgelegt werden. Das Pfadi zeigt, dass es Teil der Gruppe sein will und das Gesetz als Spielregeln akzeptiert.
Versprechen
Ich verspreche mein Möglichstes zu tun,
um mich immer von Neuem mit dem Pfadigesetz auseinanderzusetzen,
nach Sinn und Ziel meines Lebens zu suchen,
mich in jeder Gemeinschaft einzusetzen, in der ich lebe.
Im Vertrauen auf Gott (und/oder) zusammen mit euch allen versuche ich, nach diesem Versprechen zu leben.
Wer ein Versprechen ablegt, bestätigt damit, dass er/sie den Zielen der Pfadibewegung nach seinen/ihren Möglichkeiten nachleben will. Ein Versprechen abzulegen ist jedoch freiwillig. Es soll jede/jeder für sich selbst entscheiden können, welche Bedeutung Gesetz und Versprechen für das eigene Leben haben sollen. Voraussetzung für eine freie Entscheidung ist eine eingehende, altersgerechte Auseinandersetzung mit dem Pfadigesetz und dem Inhalt des Versprechens, zusammen mit den Leiterinnen und Leitern und den anderen Pfadi.
Beim Versprechen – das ein paar Jahre später gemacht werden kann – verpflichtet sich das Pfadi, sich immer von neuem mit den Grundlagen auseinander zu setzen, stets zu versuchen seinem Leben einen Sinn zu geben und sich für die Gemeinschaft einzusetzen.
Wahlspruch
Allzeit bereit
Im Wahlspruch äussern die Kinder und Jugendlichen die Bereitschaft, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen, das Gesetz ernst zu nehmen und danach zu handeln.
Leben in der Gruppe
Einen grossen Teil der Pfadiaktivitäten erleben die Pfadi in und mit ihrer Gruppe, die aus ungefähr 6 bis 8 Mitgliedern besteht und eine Kleingruppe mit fixer Aufgabenteilung (= Ämtli) ist. Die Gruppe ist eine kleine, überschaubare Gemeinschaft, in welcher persönliche Beziehungen aufgebaut und Zusammengehörigkeit erlebt werden kann. Diese Kleingruppen werden durch eine Gruppenleiterin oder einen Gruppenleiter geleitet. Durch Gruppenämtli übernehmen die einzelnen Pfadi Verantwortung für die Gemeinschaft.
3 bis 4 Gruppen zusammen bilden einen Trupp/Stamm. Hier wird die gemeinsame Abenteuerwelt aufgebaut, in der die Gruppen aber ihr Eigenleben pflegen sollen. Die Trupp-/Stammleitung ist verantwortlich für das Leben im Trupp/Stamm, welches auf die Ziele der Pfadibewegung ausgerichtet ist.
Die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter brauchen die Trupp-/Stammleitung, die sie gut betreut, mit ihnen die einzelnen Aktivitäten vorbereitet und sie generell für ihre Aufgabe ausbildet. Spezielle Anlässe für Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter können, je nach Wunsch und Tradition der Abteilung, im Rahmen der Pfadi- oder Piostufe organisiert werden.
Ein Lager bietet den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Abenteuer und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, zu erleben. Im Lager tragen alle mit Fantasie und Geschicklichkeit zum Gelingen bei.
Rituale und Traditionen
Rituale und Traditionen eignen sich dafür, die Pfadiidee durch Erlebnisse weiterzugeben – zum Beispiel Aufnahme in die Gruppe, Taufe oder Versprechen usw. Kinder und Jugendliche dieser Altersstufe nehmen Rituale und Traditionen ganz besonders wahr und lassen sich auf die Welt der Bilder und Symbole ein.
Es gibt wohl ebenso viele Traditionen, wie es Gruppen gibt: Ruf und Motto, Wimpel/Stock, Goldenes Buch / Chronik, Lied, Übertrittzeremonie, Geheimplatz/Urkunden, Thinking Day und viele mehr. Diese Traditionen geben jeder Gruppe einen Teil ihrer Eigenart, ihrer Unverwechselbarkeit. Sie werden von Vorgängern und Vorgängerinnen übernommen und an Nachfolger und Nachfolgerinnen weitergegeben und sind oft auch praktische Hilfe, um das Gruppenleben zu organisieren. Sie geben dem Pfadileben einen gewissen Rahmen und Rhythmus und fördern das Zugehörigkeitsgefühl. Sie verlieren aber ihre Besonderheit und Bedeutung, wenn sie einfach weitergeführt werden, ohne sich im Klaren zu sein, welcher Grundgedanke dahintersteckt.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen
In der Pfaditufe gestalten die Kinder und Jugendlichen die Aktivitäten der Gruppe aktiv mit. Sie sind an der Auswahl des Themas und der Gestaltung des Gruppenlebens beteiligt. Die Verantwortung für die Planung des Quartalsprogrammes, der Lager und sonstiger Anlässe liegt bei den Leiterinnen und Leitern. In Zusammenarbeit mit Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern legen sie den Rahmen fest und unterstützen die einzelnen Gruppen bei der Durchführung und Auswertung des Programmes.
Das Projekt der Pfaditufe besteht aus den Phasen Ideensuche, Themenwahl, Planung, Durchführung und Auswertung. Über weite Strecken arbeiten die Kinder und Jugendlichen selbständig in ihren Kleingruppen, aber die Leiterinnen und Leiter sind für die Organisation der Projekte verantwortlich. Durch die immer stärkere Einbindung in die Entscheidung und Auswertung erfahren sie, dass ihre Meinung ernst genommen wird und sie mit ihren Ideen etwas bewirken können. Angepasst an ihre Erfahrungen und Fähigkeiten übernehmen die Pfadi über längere Zeit kleinere Aufgaben «Ämtli», die sie selbständig ausführen. Die Pfadi erleben dabei, dass es auf sie ankommt, und dass der Betrieb in der Gruppe davon abhängt, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen.
Draussen leben
Ein Leben mit der Natur, in der Natur und im Gleichklang mit ihr lehrt die Kinder und Jugendlichen, ihre Umgebung zu erforschen und zu respektieren und eine Beziehung zu dem zu haben, was sie umgibt.
Der Grossteil der Aktivitäten findet im Freien statt. Durch das Leben in der Natur erhöht sich nicht nur das Wissen über die Umwelt, sondern es wird auch die Möglichkeit geboten, aus dem Alltagsleben auszubre-
chen. Das ermutigt die Pfadi, ihre Kreativität zu entwickeln und sie lernen, sich durchzuschlagen. Dadurch, dass sie die Natur für ihre Übungen, Lager und Wanderungen nützen, lernen sie, was sie zu be-
achten haben, und können mit einfachen Mitteln auskommen. Sie lernen, die Natur zu schätzen und dadurch auch zu schützen.
Spielen
In der Pfadistufe ist das Spiel eine Methode, um Neues zu erleben und Wissen zu vermitteln. Die Aktivitäten der Pfadistufe werden oft in ein grosses Spiel eingebunden. Dieses Spiel hat ein Thema, in welches sich die Pfadi einlassen können. Sie gestalten Projekte zu diesem Thema, schlüpfen vorübergehend in andere Rollen und entwickeln neue Fähigkeiten; dabei erweitern sie aktiv und spielerisch ihre Kenntnisse.
In Spiel und Sport lernen die Pfadi ihren Körper und ihre Kräfte kennen und können ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Freude an der Bewegung weiterentwickeln; dabei werden die unterschiedlichen Entwicklungsstadien respektiert.
Auch das Lager wird als Ganzes zum grossen Spiel. Es stellt den Anspruch, nicht nur die Aktivitäten in dieses Spiel einzubauen, sondern auch die alltäglichen Tätigkeiten (Kochen usw.) und die Bewältigung von Schwierigkeiten innerhalb der Lagergemeinschaft.







