Methoden auf der Piostufe
Den Jugendlichen der Piostufe wird eine ganzheitliche Entwicklung ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Methoden eingesetzt, die alle in Zusammenhang mit den fünf Beziehungen stehen.
Persönlicher Fortschritt
Auf der Piostufe ist der Persönliche Fortschritt stark an Erlebnisse mit der Equipe gebunden. Die Equipe plant eigenständig ihre Unternehmungen, führt sie durch und wertet sie aus. In diesem Vorgang lernen die einzelnen Mitglieder, persönliche und gemeinsame Ziele zu setzen. Die Equipe und jedes einzelne Mitglied werden von Unternehmung zu Unternehmung immer einen Schritt selbständiger, und die Aktivitäten können dadurch immer anspruchsvoller werden.
Gesetz und Versprechen
Das Pfadigesetz und das Versprechen lauten gleich wie auf der Pfadi und Roverstufe. Das Pfadigesetz ist eine minimale Auswahl von Spielregeln, an die sich alle Mitglieder der Pfadibewegung im Umgang mit den Mitmenschen und der Umwelt halten wollen. In der Piostufe kann das Pfadigesetz als Grundlage für den Equipenpakt dienen. Im Pakt steht alles, was die Equipenmitglieder unter sich vereinbart haben. Er soll immer wieder abgeändert und verbessert werden und mit dem Inhalt müssen alle Equipenmitglieder einverstanden sein. In der Piostufe besteht die Möglichkeit, das Versprechen zu hinterfragen, zu erneuern und mit persönlichen Zielen zu verknüpfen. Durch diese Auseinandersetzung wird die Bereitschaft, sich gemäss den Grundsätzen der Pfadibewegung einzusetzen, verstärkt.
Wahlspruch
Zä̈me wiiter
Im Wahlspruch bekräftigen die Jugendlichen, dass für sie die Gruppe und das gemeinsame Engagement im Vordergrund stehen.
Leben in der Gruppe
Die Drittstüfler organisieren sich in Equipen mit freier, veränderlicher Aufgabenteilung, das heisst, dass je nach Bedarf die Aufgaben untereinander verteilt werden. Die Equipe ist eine Gemeinschaft gleichberechtigter Mitglieder; ihre ideale Grösse liegt zwischen 5 und 10 Mitgliedern. In dieser Kleingruppe können Jugendliche aus einem Jahrgang oder aus mehreren zusammenkommen und je nach Wunsch der Abteilung und der Mitglieder der Equipe gibt es geschlechtlich gemischte Equipen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen neben ihrer Tätigkeit in der Pfadistufe zu einer «Venner-Equipe» zusammenfinden und am Programm der Piostufe teilnehmen.
Das Geheimnis der Piostufe ist das bewusste Zusammenleben in der Equipe. Jedem Mitglied wird die Möglichkeit geboten, sich selbst besser kennenzulernen und selbständiger zu werden. Ein Hilfsmittel, um das Zusammenleben zu fördern, ist ein Equipenpakt, der die selbstauferlegten Spielregeln der Equipe enthält. Während der Lager spielt das Gemeinschaftserlebnis eine besondere Rolle. Die Jugendlichen sind für einen längeren Zeitraum zusammen und aufeinander angewiesen; so kann das Gruppenleben wachsen.
Rituale und Traditionen
Rituale und Traditionen helfen bei der Gestaltung des Equipenalltages. Es gibt Traditionen und Rituale, die uns am weltweiten Pfadileben teilhaben lassen (Versprechensfeiern, Thinking Day usw.), und solche, die vielmehr die Besonderheit der Abteilung und Eigenständigkeit der Equipe hervorheben (Bekleidung, Name und Sprache usw.). Beide gehören zum Pfadileben.
Rituale und Traditionen fördern das Zugehörigkeitsgefühl. Sie verlieren aber ihre Besonderheit, wenn der Grundgedanke, der dahinter steckt, verloren geht. In dieser Altersstufe können sich die Jugendlichen intensiver mit den Grundgedanken, die hinter Traditionen und Ritualen liegen, auseinander setzen, und ihnen wird der Freiraum geboten, neue Rituale und Traditionen zu erfinden.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen
Einer der wichtigsten Bausteine zum Entstehen des Gruppengeistes sind gemeinsam ausgesuchte, geplante und durchgeführte Aktivitäten. Die typische Arbeitsform der Piostufe ist die Unternehmung, die sich immer in fünf verschiedene Phasen einteilen lässt: Ideenfindung, Wahl der Unternehmung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung. Die Equipenmitglieder beteiligen sich an allen fünf Phasen.
Sie entscheiden, welche Aktivität durchführt wird, und tragen mit ihrem Einsatz wesentlich zur Planung, Vorbereitung und Durchführung bei. Die Art der Aktivität bestimmt auch den Rahmen (Zeit, Ort), in welchem sie durchgeführt wird. «Unternehmung» ist eine Methode zur zielorientierten Planung, von der alle ein Leben lang profitieren können. Die Betreuerinnen und Betreuer begleiten den Prozess, übernehmen aber nicht die Verantwortung für das Gelingen der Unternehmung.
Draussen leben
In der Piostufe ist die Natur der Platz, um sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Die Bandbreite reicht von sportlichen Aktivitäten über das einfache Leben in einem Lager bis hin zu Einsätzen im Bereich Umweltschutz. Draussen leben heisst auch, auf Menschen zugehen und fremde Kulturen erforschen zu wollen. Eingeschlossen in die eigenen vier Wände kommt niemand «zäme wiiter», wie es im Wahlspruch heisst.
Drittstüfler/innen brauchen die Welt draussen vor der Tür, um zu sehen, zu verstehen und zu handeln! Wanderlager bieten die beste Möglichkeit, viel zu sehen, zu hören, zu erleben und zu erfahren. Eine typische Aktivität der Piostufe ist ein «crazy challenge»: Das ist eine «verrückte Herausforderung», der sich die Equipe stellt, denn gemeinsam lassen sich verrückte Ideen leichter verwirklichen. Ein «crazy challenge» ist immer konstruktiv und hat Stil.
Spielen
Spiele helfen in dieser Altersstufe besonders, Strategien zu entwickeln, die ins Alltagsleben umgesetzt werden können. Spiele geben die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, Situationen durchzuspielen, ohne dass es gleich «ernst» wird. Beim Spielen können darüber hinaus alle fünf Sinne bewusst eingesetzt werden (Rollenspiele, Planspiele). Im weiteren werden Spiele oft zur Förderung des Equipenlebens eingesetzt.
Sie bieten die Möglichkeit, in Themen einzusteigen, Konflikte zu analysieren und physische Distanzen abzubauen. Das Kennenlernen möglichst vieler verschiedener sportlicher Aktivitäten bekommt den Vorrang vor intensivem Training in nur einer Sportart. In diesem Alter setzen die Jugendlichen ihren Körper schon viel bewusster ein und können ausprobieren, welche Arten von sportlichen Betätigen sie gern haben und brauchen.







